Zukunft der Gasverteilnetze
Gesetzlicher Rahmen und netzplanerische Strategien
Was nehmen Sie mit
- Erhalten Sie einen Überblick über aktuelle strategische und regulatorische Entwicklungen und deren konkrete Auswirkungen auf Gasverteilernetze.
- Lassen Sie sich am Beispiel der Stadt Zürich technische und strategische Lösungsansätze für die Stilllegung aufzeigen.
- Erfahren Sie, welche Handlungsspielräume für Ihre Transformations- und Infrastrukturplanung bestehen.
- Nutzen Sie die Expert*innenrunde zum Fachaustausch und für die Beantwortung Ihrer Fragen.
Veranstaltungsprofil
- Online
Die Fortbildung richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Netzplanung, Regulierung, Strategie und Technik. Sie bietet eine fundierte Einordnung der aktuellen rechtlichen Entwicklungen, praxisnahe Einblicke sowie Raum für kollegialen Austausch.
Termine
Adresse
Virtueller Veranstaltungsraum
Online
Preise
915,- € Normalpreis (online)
690,- € Mitgliedspreis BDEW (online)
Referenten
Dr. Isabell Braunger
Teilnehmer
max. 60
Es gelten die zum Buchungsdatum im Online-Shop angegebenen Preise.
Inhalt der Veranstaltung
Die Transformation der Gasverteilernetze zählt zu den zentralen Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität – bundesweit bis 2045, in einigen Bundesländern und Kommunen jedoch bereits deutlich früher. Bis dahin müssen bestehende Gasnetze – sofern die regionalen Gegebenheiten keinen Weiterbetrieb mit Biomethan zulassen – entweder vorübergehend außer Betrieb genommen und anschließend auf Wasserstoff umgestellt oder schrittweise dauerhaft stillgelegt werden. Hierfür wird in Deutschland derzeit der rechtliche und regulatorische Rahmen geschaffen. Alle drei Transformationspfade erfordern vorausschauende Planung, regulatorische Klarheit und eine enge Abstimmung mit Kommunen und weiteren Infrastrukturakteuren.
Während die Umstellung auf Wasserstoff in den vergangenen Jahren intensiv diskutiert wurde, rückt nun verstärkt auch die Stilllegung als eigenständiger Transformationspfad in den Fokus. Viele Unternehmen befassen sich bereits strategisch mit diesem Thema – zugleich entstehen zunehmend konkrete Fragen zur rechtlichen Ausgestaltung, zur bilanziellen Behandlung, zu technischen Anforderungen und zur praktischen Umsetzung.
Diese Veranstaltung greift diese Fragestellungen auf. Ziel ist es, Orientierung zu geben, Erfahrungen zu teilen und einen fachlichen Austausch zu ermöglichen bei einem Thema, das weiter dynamisch entwickeln wird.
Wesentlicher Rechtsrahmen zur Stilllegung von Gaskraftwerken in Deutschland:
- Energiewirtschaftsgesetz (EnWG): Das EnWG bildet das Kerngerüst. §§ 13a–13c regeln die sogenannte Stilllegungsanzeigepflicht: Betreiber müssen geplante Stilllegungen mindestens 12 Monate im Voraus bei der Bundesnetzagentur anzeigen. Diese prüft, ob die Anlage systemrelevant ist – wenn ja, kann die Stilllegung untersagt werden (vorläufige oder dauernde Systemrelevanz).
- Netzreserveverordnung (NetzResV): Diese Verordnung konkretisiert, wie systemrelevante Anlagen – darunter viele Gaskraftwerke – als Netzreserve betrieben werden. Betreiber, deren Anlagen als reservepflichtig eingestuft werden, können trotz angemeldeter Stilllegung zur Weiterbetrieb verpflichtet werden, erhalten dafür aber eine Vergütung.
- Kapazitätsreserveverordnung (KapResV): Sie regelt die strategische Reserve außerhalb des Strommarkts. Gaskraftwerke können vertraglich gebunden werden, um in Versorgungsengpässen aktiviert zu werden. Die Stilllegung ist für solche Anlagen während der Vertragslaufzeit ausgeschlossen.
- Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG): In Bezug auf Stilllegungskosten ist dieses Gesetz relevant aufgrund der Pflicht zur Nachsorge nach § 5 Abs. 3: Betreiber sind verpflichtet, nach der Stilllegung den ordnungsgemäßen Zustand der Anlage wiederherzustellen, also Rückbau, Entsorgung und Gefahrenabwehr auf eigene Kosten durchzuführen.
- Kraftwerkssicherheitsgesetz (KSG): Dieses seit 2024 geplante Gesetz schafft einen neuen Rahmen für die Kapazitätssicherung und regelt, unter welchen Bedingungen Kraftwerke als Reserven vorgehalten oder in den Markt zurückgeholt werden müssen. Es ergänzt das EnWG und ist besonders relevant für Gaskraftwerke im Übergang zur Wasserstoffnutzung.
Zum Auftakt werden die aktuellen Entwicklungen zur Umsetzung des EU-Gaspakets eingeordnet und die zentralen Eckpunkte der EnWG-Novelle mit Blick auf die Verteilernetzentwicklungspläne beleuchtet. Dabei geht es insbesondere darum, welche Handlungs- und Gestaltungsspielräume sich daraus für Netzbetreiber ergeben.
Im weiteren Verlauf werden die bilanzielle und regulatorische Einordnung von Stilllegungskosten, praxiserprobte Ansätze zur technischen Umsetzung von Stilllegungen sowie Kriterien für eine effiziente Stilllegungsplanung betrachtet. Ergänzend wird die integrierte Infrastrukturplanung adressiert. Diskussions- und Fragerunden sowie eine offene Austauschrunde bieten Raum, aktuelle Herausforderungen zu vertiefen und Erfahrungen sowie Strategien zu teilen.
Themenschwerpunkte
Aktuelle Entwicklungen rund um EU-Gaspaket und EnWG-Novelle und deren Bedeutung für Netzbetreiber
Regulatorische und bilanzielle Behandlung von Stilllegungskosten und Transformationsmaßnahmen
Technische Anforderungen und bewährte Vorgehensweisen bei der Stilllegung von Gasverteilnetzen
Praxisbeispiel Stadt Zürich: Kriterien und Methoden für eine vorausschauende und effiziente Stilllegungsplanung
Integrierte Infrastrukturplanung im Kontext von Dekarbonisierung und kommunaler Wärmeplanung

